Über den „Ku-damm“

Über den „Ku-damm“

Der Kurfürstendamm, kurz „Ku-Damm oder „Kudamm“ genannt, ist nicht nur die wichtigste Straße im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, sondern auch eine der berühmtesten Straßen der Welt. In einer fast schnurgeraden Linie verläuft die Straße auf 3500 m Länge in West-Ost-Richtung vom Rathenauplatz im Villenbogen-Viertel Grunewald bis zum Breitscheidplatz im Zentrum von Charlottenburg.

Vom kurfürstlichen Knüppeldamm zum Bismarck gedankten Boulevard

Kurfürst Joachim II.

Der Kurfürst Joachim II. Gemälde von Lucas Cranach d.Ä.

Um ein vom brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. 1542 im Grunewald angelegtes Jagdschloss an die Zuwege zum Berliner Stadtschloss anzubinden, wurde durch das damals zum Teil sumpfige Gebiet ein Knüppeldamm gelegt. Mit der Entwicklung des bis 1920 selbstständigen Städtchens Charlottenburg zur beliebten Sommerfrische und aufstrebendem Industriestandort gewann der seit Ende des 18. Jahrhunderts „Churfürstendamm“ genannte Verkehrsweg immer größere Bedeutung. Eine Kabinettsanordnung von 1875 nahm eine Anregung des Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten Bismarck, hier einen Prachtboulevard zu bauen, auf. Nach über zehnjähriger Planungs- und Bauzeit wurde der 53 m breite Boulevard durch die Eröffnung der den Zoologischen Garten mit Halensee verbindenden Straßenbahnstrecke am 5. 5. 1886 offiziell eingeweiht.

Wilhelminische Prachtstraße und Epizentrum der Goldenen Zwanziger
Der zunächst noch größtenteils unbebaute Ku-Damm war bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts vollständig mit zum Teil überladen-neureichen Prachtbauten („Kurfürstendammarchitektur“) gesäumt. Der Anteil der jüdischen Bewohner in dieser Straße war mit etwa 25% ausgesprochen hoch. 1895 ließ Kaiser Wilhelm II. zur Erinnerung an seinen Großvater die den Stil der Zeit entsprechende, 113 m hohe Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche errichten. Als Kontrapunkt zum wilhelminischen Prunk etablierte sich im „Café des Westens“ eine kritische Künstler- und Autorenrunde, die bald zum Kern der für den Kurfürstendamm typischen und von Konservativen und Rechtsradikalen befehdeten „Boulevardkultur“ wurde. Auch in der Weimarer Republik war der Ku-Damm intellektuelles und kulturelles Zentrum sowie Hauptgeschäftsstraße und Flaniermeile des Berliner Westens.

Nazi-Zeit und Nachkriegszeit

Kurfürstendamm im Sommer 1945

Blick über den Kurfürstendamm kurz nach Kriegsende im Sommer 1945.

Ab 1933 wurden die jüdischen Kurfürstendammer verfolgt und der Damm wurde zur Parademeile des NS-Regimes umfunktioniert. Im Zweiten Weltkrieg großenteils zerstört, erlebte der rasch wieder aufgebaute Ku-Damm nach 1945 seine Wiedergeburt als Zentrum im jetzt geteilten Berlin. Dabei stand lange der ökonomische Aspekt im Vordergrund. Das Mitte der 1960er neben der Turmruine der Gedächtniskirche errichtete Europa-Zentrum mit dem charakteristischen Mercedes-Stern galt als Symbol für die Wirtschaftwundermentalität des „Neuen Westens“. Nach der Wiedervereinigung lag der Focus des Interesses auf Berlin-Mitte und der „Neue Westen“ Berlins drohte, unmodern zu werden. Aber bis Ende der 1990er Jahre konnte der Ku-Damm seine Stellung als quicker und schicker Edel-Kiez im Westen der Hauptstadt dank neuer Konzepte im Kultur- und Geschäftsbereich wieder festigen.