Charlottenburger Geschichte

Charlottenburger Geschichte

Das im geographischen Zentrum des westlichen Berlins gelegene Charlottenburg wurde 2001 mit dem südlich angrenzenden Wilmersdorf zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf vereinigt. Charlottenburg, das vorher seit 1920 einen eigenen Bezirk innerhalb Berlin gebildet hatte, kann auf eine über 300jährige Geschichte als stadtkommunale Einheit zurückblicken.

Deutsch-slawische Bauernsiedlung und Königinnenresidenz

Sophie Charlotte von Hanover

Sophie Charlotte von Hanover. Die Namensgeberin von Charlottenburg.

Die Anfänge von Charlottenburg führen auf die bescheidene Bauernansiedlung Lietzow zurück, in der im Mittelalter vermutlich eine deutsch-slawische Mischbevölkerung lebte. Das im 14. Jahrhundert zum Spandauer Marien-Nonnenkloster gehörende Gebiet und nach der Reformation in Kronbesitz gelangte Lietzow wurde 1695 vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. (ab 1701 als preußischer König: Friedrich I.), an dessen Gemahlin Sophie Charlotte verschenkt. Sophie Charlotte errichtete hier in der Gemarkung vor Lietzow ihr Musenschloss Lützenburg. Nach ihrem Tod 1705 taufte ihr Witwer das Schloss in Charlottenburg um und baute es zu einer imposanten Anlage aus.

 

Selbstständige Stadt mit Startschwierigkeiten
Friedrich I. verlieh der vor dem Schloss entstandenen, knapp 100 Einwohner zählenden Schlossbediensteten-Siedlung „Charlottenburg“ das Stadtrecht. Die Entwicklung der Kleinststadt, der 1720 Lietzow eingemeindet wurde, war zunächst mangels wirtschaftlicher Basis sehr schleppend und hing entscheidend von der Nutzung des Schlosses ab. Erst als Charlottenburg in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem beliebten Ausflugsziel der Spandauer und Berliner Städter und in Folge nobler Zweitwohnsitz wohlhabender Adliger und Bürger geworden war, begann das Spree-Städtchen zu prosperieren. Industrie siedelte sich in der Biedermeierzeit an und um 1850 wurde Charlottenburg Garde-Garnison.
Lebten im Jahr 1800 lediglich 3400 Einwohner in Charlottenburg, so waren es 1870 20.000. 1877 wurde Charlottenburg kreisfrei.

Preußische Großstadt
Charlottenburg, das 1882 an die Berliner Stadtbahn angeschlossen worden war, überschritt 1910 die Einwohnerzahl von 300.000. Die betont antimonarchistisch auftretende Stadtverwaltung jener Zeit war bekannt für ihr außergewöhnliches Engagement im Bildungswesen sowie für ihr Bemühen, der auch in Charlottenburg sozial benachteiligten Arbeiterschaft strukturell auf kommunaler Ebene zu helfen. 1905 wurde das prachtvolle Rathaus mit dem mächtigen Turm errichtet.

Berliner Bezirk
1920 erfolgte die Eingemeindung als siebter Stadtbezirk von Berlin. Charlottenburg wurde in den 20er Jahren Kern eines sich um den Kurfürstendamm entwickelnden neuen Berliner Geschäfts- und Kulturzentrums („Berlin WW“), das zum Synonym für die temporeiche, großstädtische Atmosphäre der „Goldenen Zwanziger“ geworden ist. Das im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe und Artillerie weitgehend zerstörte Charlottenburg wurde nach 1945 wieder aufgebaut. Das zur „Frontstadt“ (West-)Berlin zählende Charlottenburg wurde regelrecht zum Symbol für den ökonomischen Aufschwung der „Wirtschaftswunderzeit“. Nach einer Phase der Unschlüssigkeit nach dem Mauerfall bei der Frage, was aus der City von West–Berlin werden wird, hat sich Charlottenburg stadtplanerisch und kulturpolitisch neu positioniert und stellt heute (wieder) eine anerkannte Alternative zu Berlin-Mitte dar.