Charlottenburg nach dem Mauerfall

Charlottenburg nach dem Mauerfall

Charlottenburg ist ein Stadtteil von Berlin, genau genommen müsste man sagen, dass Charlottenburg ein Stadtteil von West-Berlin ist. Denn in Charlottenburg findet man auch heute noch die typischen West-Berliner-Kennzeichen: Ku’damm und Gedächtniskirche, Bahnhof Zoo und Kaufhaus des Westens. Der typische Charlottenburger ist auch stolz darauf, im Westteil der ehemaligen Mauerstadt zu wohnen. Auch 23 Jahre nach der Wende und dem Mauerfall ist die Mauer noch präsent in den Berliner Köpfen, nicht nur in Charlottenburg.

Doch ist nicht zu übersehen, dass sich einiges seit der Wende in Charlottenburg getan hat. Zu West-Berliner-Zeiten war man der Mittelpunkt der freien Welt, nun liegt man Abseits der Mitte. Denn Berlin-Mitte gleich nebenan ist jetzt das Zentrum der neuen und alten deutschen Hauptstadt und die Charlottenburger müssen damit klarkommen, dass sie nun in der Peripherie der Hauptstadt leben.

Dies hat aber dem Leben und Erleben in Charlottenburg keinen Abbruch getan. Es ist immer noch interessant, über den Ku’damm zu schlendern und im Kaufhof des Westens nach Anschaffungsobjekten zu schauen, die man dann anders preisgünstiger erwerben kann. In Charlottenburg findet man eine interessante Mischung an Menschen, die jeden Spaziergang zu einem kostenlosen touristischen Erlebnis machen können.

Man trifft auf alteingesessene West-Berliner, die sich noch an die Berlin-Blockade und den Mauerbau erinnern und die sich darüber beklagen, dass der Alte aus Rhöndorf (Bundeskanzler Konrad Adenauer) damals mehrere Tage gewartet hat, bevor er den Berlinern seine Trauer über den Bau der Mauer mitteilen musste. Aber man trifft auch auf viele junge Leute, die studienhalber in Berlin weilen und die es schätzen, im Flair der 1960er-Jahre zu leben. Ausländer mit sehr bunten und sehr kleinen Geschäften gibt es aber auch in Charlottenburg. Besonders zur Abendzeit kommt hier orientalisches Leben auf und man vergisst, dass wenige Schritte entfernt preußische Architektur und preußische Tugenden hoch gehalten werden sollen.

Beliebt bei Besuchern und Einheimischen sind die grünen Zonen in Charlottenburg. Hier gibt es noch Gartendenkmäler zu bestaunen und rund um den Savignyplatz laden viele Lokale zum Verweilen ein. Dort findet man auch gute Ausgangspunkte für nächtliche Kulturerlebnisse, denn von hier aus ist es nicht weit, wenn man in eine Oper oder eine Schauspielausführung möchte. Und der Savignyplatz in Charlottenburg ist auch ein schöner Ausgangspunkt, um die Weite des Umlandes von Berlin kennen zu lernen. Denn die nächste S-Bahn-Station ist bereits in Sichtweise zu finden.